| . |
Buch des Monats: Frank Goosen Sechs silberne Saiten
 |
|
Holger ist nicht mehr ganz jung, aber er braucht das Geld noch immer. Deshalb verdingt er sich im Supermarkt als Weihnachtsmann. Nach Dienstschluss am 24. Dezember trifft er auf einen Kollegen, bei dem der Zupftest erstaunlicher-weise ergibt: Bart und Haartracht sind echt. Und der Typ spielt auf seiner mit sechs silbernen Saiten bespannten Gitarre hinreißende Country-Songs, eine echte Alternative zu Wham und Bono.
Frank Goosen Sechs silberne Saiten (Heyne)
|
37. Dan Kennedy Rock On
 |
|
Als Jugendlicher stand Dan Kennedy auf Iggy Pop und Led Zeppelin, doch als er schließlich einen Job in der Marketingabteilung von Atlantic Records bekommt, dem Label, das einst die Platten seiner Helden veröffentlichte, ist es bereits zu spät: statt mit den Stooges zusammen zu arbeiten, soll er sich nun Gedanken machen, wie sich ein Greatest-Hits-Album von Phil Collins am besten vermarkten lässt.
Kennedys sarkastischer Bericht aus dem Inneren eines Kultlabels beschreibt äußerst komisch, aber immer realistisch den Niedergang des Rock'n'Roll im Zuge der Börsengänge und Fusionierungen und ist zugleich ein Abgesang auf die Musikindustrie wie wir sie kennen.
Dan Kennedy Rock On (Rogner & Bernhard)
|
36. John Niven Kill your friends
 |
|
Wer immer noch glaubt, das illegale Brennen von CDs oder kostenlose Runterladen von Musik sei schuld an der Krise der Plattenfirmen, hat noch nicht den Enthüllungsroman von John Niven über die Praktiken und Machenschaften der Musikindustrie gelesen. Schonungslos und exakt erzählt Niven in »Kill your friends«, wie das Geschäft mit Musik funktioniert, die Künstler übers Ohr gehauen und die Konsumenten ausgenommen werden. Das alles hat er in einem sehr spannenden Krimi verpackt, der bisweilen an Bret Easton Ellis erinnert, den Bankrott aus der Sicht des drogensüchtigen A&R-Managers Steven Stelfox beschreibt und vom Heyne-Verlag zurecht als »ultimativer Roman zum Untergang der Musikindustrie« gepriesen wird.
Mit Stelfox, findet James Dean Bradfield von den Manic Street Preachers, habe Niven eine der »hassenswertesten Romanfiguren aller Zeiten« geschaffen, die allzu lange ihr Unwesen in der Musikindustrie getrieben hat und immer noch treibt. Wer nach der Lektüre weiterhin glaubt, den Plattenfirmen ginge es auch um Musik, ist ein unverbesserlicher Idealist.
John Niven Kill your friends (Heyne-Hardcore)
|
35. David Huggins Ein einziger Hit

|
|
Was passiert, wenn eine Band plötzlich einen Hit hat und an-schließend alles schief läuft, erzählt David Huggins in seinem Thriller, der 2003 im Verlag Gerd Haffmans bei Zweitausendeins erschienen ist und mit einem scheußlichen Cover als Taschenbuch von Heyne veröffentlicht wurde.
David Huggins Ein einziger Hit (Gerd Haffmans)
|
34. E. Annie Proulx Das grüne Akkordeon
 |
|
In einem sizilianischen Dorf fertigt ein Akkordeonbauer 1890 ein kleines, grünes Knopfakkordeon, dessen wundersame Reise nach New Orleans, den Mississippi hinauf nach Iowa und kreuz und quer durch Amerika von E. Annie Proulx formvollendet beschrieben wird. Ein Roman voller Musik, der nebenbei die Geschichte Amerikas als Einwandererland erzählt.
E. Annie Proulx Das grüne Akkordeon (Luchterhand)
|
33. T.C. Boyle Drop City
 |
|
Als sich der Müll meterhoch türmt und die Behörden ihr kalifornisches Territorium räumen wollen, macht sich die Hippiekommune »Drop City« auf den Weg nach Alaska, wo es schon bald zu Konflikten mit Jägern und Trappern kommt. Ein bitterböser Abgesang auf die Gegenkultur der 60er Jahre von einem der größten Schriftsteller unserer Zeit.
T.C. Boyle Drop City (Hanser)
|
32. Tania Kindersley Notting Hill Blues

|
|
Am Tag, als Johnny Thunders stirbt, lernt die junge Redakteurin eines Lifestyle-Magazins im Szene-Stadtteil Notting Hill eine Clique von Behemiens kennen und verliebt sich in einen ziemlich finsteren Typen. Dabei hätte es so ein schöner Sommer werden können...
Tania Kindersley Notting Hill Blues (Knaur Lemon)
|
31. Stuart David Peacocks Manifest

|
|
Der Schotte Peacock Johnson hat die Idee seines Lebens, braucht aber jemanden, der sie umsetzen kann. Also nimmt er den nächsten Flieger nach New York und trifft Evil Bob, der ihm helfen soll, aus einem Glen-Campbell-Song einen Dancefloor-Hit zu machen. Vergnügliche Roadnovel des Mitbegründers von Belle & Sebastian.
Stuard David Peacocks Manifest (Eichborn)
|
30. Giles Smith Lost in Music
|
|
|
Einen Blick hinter die Kulissen des Musikgeschäfts riskiert der »Independent«-Redakteur Giles Smith, der in seiner Pop-Odyssee so »flüssig, elegant, scharfsinnig und sehr, sehr komisch« (Nick Hornby) von seiner kurzen Karriere als Musiker der Band Cleaners From Venus erzählt, dass Tony Parsons »aus dem Lachen nicht mehr heraus« kam und auch John Peel bei der Lektüre viel Spaß hatte.
Giles Smith Lost in Music. Eine Pop-Odyssee (Heyne)
|
29. Jonathan Letham du liebst mich, du liebst mich nicht
 |
|
Die Bassistin arbeitet bei einer Nörgel-Hotline. Der Sänger kidnappt ein depressives Känguruh. Die Schlagzeugerin jobbt in einer Masturbationsboutique. Und der Gitarrist und Songwriter guckt immer wieder ein und den selben Film Fritz Langs »Human Desire«. Jonathan Lethams skurrile Geschichte einer Band ist eine grandiose Farce, die in der Kunstszene von Silver Lake spielt und irre sexy.
Jonathan Letham du liebst mich, du liebst mich nicht (Tropen)
|
28. Nelson Algren Der Mann mit dem goldenen Arm
 |
|
Nelson Algrens Roman über den drogenabhängigen Schlagzeuger Frankie Machine erschien 1949 und wurde mit Frank Sinatra in der Hauptrolle verfilmt. Erstmals vollständig ins Deutsche übersetzt wurde er aber erst 1983 von Carl Weissner. (Ob die links abgebildete Taschenbuchausgabe dem Hardcover entspricht, soll ein anderer überprüfen.)
Nelson Algren Der Mann mit dem goldenen Arm (Zweitausendeins)
|
27. Roddy Doyle Jazztime

|
|
Was hat ein irischer Rebell und Auftragskiller mit Louis Armstrong zu tun? Das ist einem auch nach der Lektüre dieses Romans von Roddy Doyle nicht klar, der nicht nur die Vorlage zu Alan Parkers Film »The Commitments« geschrieben hat, sondern auch Joanne K. Rowlings »absoluter Lieblingsschriftsteller« ist (falls das was zu besagen hat).
Roddy Doyle Jazztime (Fischer TB)
|
26. Nick Tosches Hellfire
 |
|
Diese Jerry-Lee-Lewis-Biografie ist zwar nicht unbedingt »das schönste Buch, das je über einen Rock'n'Roll-Musiker geschrieben wurde« (wie Greil Marcus 1982 anlässlich ihrer Erst-veröffentlichung meinte womit noch 2008 geworben wird), aber auf jeden Fall lesenswert. Kein Star-Porträt oder Fan-Book, sondern das Porträt eines wilden Pianisten und begnadeten Trinkers (oder umgekehrt), der einer Südstaaten-Dynastie entstammt, Hit auf Hit raushaute und Elvis das Wasser reichte, bevor herauskam, dass er eine Minderjährige geheiratet hatte und seine Karriere mehr oder minder abrupt beendet wurde.
Nick Tosches - Hellfire. Die Jerry Lee Lewis Story (Edition TIAMAT)
|
25. Carl Hiaasen Letztes Vermächtnis
|
|
|
Als der Nachrufschreiber Jack Tagger vom rätselhaften Tod des Rockstars Jimmy Stoma erfährt, wittert er die große Chance, seiner vor sich hindümpelnden Karriere einen gehörigen Schub zu verpassen. Wenn da nicht seine wesentlich jüngere, aber ziemlich unbedarfte Chefin wäre...
Carl Hiaasen Letztes Vermächtnis (Goldmann)
|
24. Nick Hornby High Fidelity

|
|
Das Buch, das den Frauenversteher Nick Hornby weltberühmt machte, wurde vom »Guardian« mit einer guten Single verglichen: »Du weißt, es ist von der ersten Minute an wunderschön, und sobald es vorbei ist, willst du es von vorn anhören.« Dabei greift Hornby in seinem ersten Pop-Roman nur die uralte Frage »Vinyl oder Liebe?« auf und erzählt eine süße Adoleszenzgeschichte.
Nick Hornby High Fidelity (Kiepenheuer & Witsch)
|
23. Martha Grimes Freier Eintritt

|
|
Liebevolle Hommage an Grateful Dead der »Inspektor Jury«-Autorin Martha Grimes. Als Sammy, der 14-jährige Sohn eines New Yorker Börsenmaklers, zufällig mitbekommt, dass seine Eltern einst Hippies waren und Jerry Garcia hinterher-fuhren, macht er sich mit seiner kleinen Schwester auf den Weg zu den Deadheads, was seine liberalen Eltern natürlich ausrasten lässt.
Martha Grimes Freier Eintritt (Goldmann)
|
22. Tony Parsons Als wir unsterblich waren

|
|
Im Sommer 1977 war Tony Parsons zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Als Redakteur des »New Musical Express« erlebte er hautnah mit, wie die Londoner Punkszene explodierte. In diesem autobiografischen Roman verdichtet er den Tod von Elvis, die Geburt der Punk-Bewegung und das eigene Erwachsenwerden zu der unendlich langen Nacht des 16. August 1977.
Tony Parsons Als wir unsterblich waren (Blumenbar)
|
21. Hanif Kureishi Das schwarze Album
|
|
|
Kein Report über »Das schwarze Album« von Prince, sondern der zweite Roman des Drehbuchautors Hanif Kureishi (»Mein wunderbarer Waschsalon«), der sowohl in der Londoner Popszene der 90er Jahre spielt als auch in der pakistanischen Community. Kureishis Protagonist Shahid Hasan verliebt sich darin in eine liberale Dozentin und treibt sich auf illegalen Raves rum, was unweigerlich zu Konflikten mit seinen konservativen Eltern und fundamentalistischen Moslems führt.
Hanif Kureishi Das schwarze Album (Kindler)
|
20. Jay McInerney Ein starker Abgang

|
|
Mit seinem Debütroman »Ein starker Abgang«, auch unter dem Originaltitel »Bright Lights, Big City« bekannt, landete Jay McInerney 1984 einen Bestseller, der in der Tradition der Großstadtromane steht und dessen Hauptfigur, ein Dokumentar des Wochenmagazins »The New Yorker«, sich rat- und orientierungslos durch das New Yorker Nachtleben treiben lässt, nachdem seine Frau, ein Fotomodell, ihn verlassen hat.
JayMcInerney Ein starker Abgang (Rowohlt)
|
19. Bret Easton Ellis Unter Null

|
|
Jede Menge Drogen, europäische Luxus-schlitten, pervertierte Sexual-praktiken und Musik von Led Zeppelin bis Clash bestimmen das Leben der rich kids von L.A., das Ellis aus der Sicht des unter der Langeweile des sonnigen Kaliforniens leidenden Clays beschreibt. Ohne sich in sozial-pädagogischer Manier davon zu distanzieren, schilderte der 1986 erst 17-jährige Bret Easton Ellis die Aussichts-losigkeit der begüterten Kinder, deren Eltern zumeist im Film-Business involviert sind, denen es mehr an Kokain als an Kohle mangelt, und die sich von einer Party zur anderen treiben lassen, ohne wirklich etwas zu suchen.
Bret Easton Ellis Unter Null (Rowohlt)
|
18. Chuck Klosterman Eine zu 85 % wahre Geschichte

|
|
In der zu 85 % wahren Geschichte von Chuck Klosterman geht es nur zu 50 % um Musik und das Aufsuchen von Orten, an denen Rock-Stars ge-storben sind. In den anderen 50 % sinniert der Star-Schreiber des »Spin«-Magazins über die Unmög-lichkeit nach, drei Frauen gleichzeitig zu lieben. »Man kann gar nicht besser, witziger und unterhaltsamer über amerikanische Popkultur schreiben«, glaubt Stephen King mit dieser Meinung steht der Horror-Experte aber ziemlich allein da, obwohl dieser Bericht einer abge-brochenen Recherche zu 85 % wirklich lesenswert ist.
Chuck Klosterman Eine zu 85 % wahre Geschichte (S. Fischer)
|
15. - 17. Nicholas Blincoe Acid Killers/Speed Boys/ Manchester Slingback

|
|
Nicholas Blincoe stammt aus Manchester und arbeitete bei Factory Records, bevor er nach London ging und in den 90er Jahren drei sehr spannende Krimis schrieb, die in der Musik- und Restaurantszene spielen und in denen jede Menge Drogen gesnieft, geschluckt und geraucht werden.
Nicholas Blincoe Acid Killers; Speed Boys; Manchester Slingback (alle dtv)
|
14. Neal Pollack Never mind the Pollacks

|
|
Neal Pollacks brillanter, umwerfend komischer und ätzend kritischer Roman über den Rock-Kritiker Neal Pollack, der mit Elvis Tür an Tür in Memphis wohnte, dabei war, als Pete Seeger Bob Dylan in Newport den Saft abdrehte, mit Iggy Pop nach Woodstock trampte, und den Boss bereits kannte, als der noch ein kleines Licht in Asbury Park war. Immer auf der Suche nach dem wahren Rock'n'Roll.
Eine längst überfällige Hommage an den größten Rock-Kritiker aller Zeiten - und eine köstliche Satire auf Greil Marcus und Konsorten.
Neal Pollack Never mind the Pollacks. Eine Rock'n'Roll-Satire mit Neal Pollack (Hannibal)
|
13. Joe Boyd White Bicycles
 |
|
Der Produzent Joe Boyd entdeckte nicht nur Gruppen wie Fairport Convention und The Incredible String Band, sondern gründete auch einst den Londoner UFO Club, wo Pink Floyd und Soft Machine ihre Karrieren starteten. In seiner Autobiografie »White Bicycles« beschreibt er detailliert und unterhaltsam die Musikszene der sechziger Jahre - und wie er kurzzeitig eine schwedische Folkband betreute, die wenig später, aber ohne ihn, unter dem Namen Abba in die Pop-Charts durchstartete.
Joe Boyd White Bicycles. Musik in den 60er Jahren (Kunstmann)
|
12. Kai Havaii Hart wie Marmelade
 |
|
Aus dem Nichts an die Spitze, von der Party auf dem Seil direkt in die Hölle. Ein Leben wie eine Achter-bahnfahrt. Sex & Drugs & Rock'n'Roll ohne Rücksicht auf Verluste, aber auch ohne ideologische Scheu-klappen. Und zugleich ein famoses Sittenbild nicht nur der siebziger Jahre. Der autobiografische »Roman« des Extrabreit-Sängers Kai Havaii wurde zu Recht vom »Rolling Stone« und der »Frankfurter Rundschau« in den höchsten Tönen gelobt.
Kai Havaii Hart wie Marmelade. Ein Rock'n'Roll-Roman aus der Provinz (Kiepenheuer)
|
11. Rob Sheffield Love is a Mix Tape
 |
|
Rob Sheffield war erst ein paar Jahre verheiratet, als seine Frau plötzlich und unerwartet starb. An Hand von Mix-Tapes, die sie füreinander aufgenommen hatten, erinnert sich der heutige Redakteur des amerika-nischen »Rolling Stone« an sie und schreibt sich all seinen Kummer von der Seele. Seine »Geschichte von Liebe, Leid und lauter Musik« ist eine irre romantische und aufrichtige Liebeserklärung an eine Frau, die man leider nie kennen gelernt hat, und berührt einen körperlich.
Rob Sheffield Love is a Mix Tape. Eine Geschichte von Liebe, Leid und lauter Musik (Kiepenheuer & Witsch)
|
10. Joey Goebel Vincent

|
|
Brillante Romansatire auf die Unterhaltungsbranche, die die Maxime, wonach Künstler um der Kunst willen leiden müssen, als Lüge skrupelloser Entertainment-bosse entlarvt.
Joey Goebel Vincent (Diogenes)
|
9. Jessica Adams Ballroom Blitz

|
|
Amüsant und flott geschriebener Roman über das Erwachsenwerden, das Leben in der englischen Provinz, die erste große Liebe und das Eintauchen in die Londoner Szene Ende der 70er Jahre - aus der Sicht eines Mädchens, das sich als Redakteurin bei einem neuen Musikmagazin bewirbt.
Jessica Adams Ballroom Blitz (Ullstein)
|
8. Mike Gayle Frühstück zu dritt

|
|
Der Pop-Redakteur Dave möchte Vater werden. Doch dann erfährt er, dass er es längst ist... Ein kurzweiliger Pop-Roman des ehemaligen Kummerkastenonkels Mike Gayle für zwischendurch.
Mike Gayle Frühstück zu dritt (Droemer/Knaur)
|
7. Peter Smith Sam, die Beatles und ich

|
|
Der Journalist Peter Smith stellt eines Tages fest, dass seine Beziehung zu seinem Sohn zu wünschen übrig lässt. Damit er sich nicht mehr so abkapselt von der Welt, spielt er ihm die Beatles vor - und alles wird gut. Leuten ohne Kinder mag dieser Roman kitschig vorkommen, Eltern hingegen werden ihn lieben. Nicht zuletzt, weil er einem die Lektüre zahlreicher Beatles-Biografien erspart.
Peter Smith Sam, die Beatles und ich. Wie ich das Herz meines Sohnes gewann (Kiepenheuer & Witsch)
|
6. Rocko Schamoni Dorfpunks

|
|
Eigentlich kein Roman, sondern Teil eins der Memoiren des Entertainers Rocko Schamoni, in denen er beschreibt, wie der Punk nach Schmalenstedt an der Ostsee kam. Viel ist dort nicht passiert, aber Schamoni alias Roddy Dangerblood erzählt es recht amüsant. (By the way: Der Moderne Man schreibt sich immer noch nur mit einem N, und die erste Single von Bärchen und den Milchbubis hieß »Jung kaputt spart Altersheime«.)
Rocko Schamoni Dorfpunks (Rowohlt)
|
5. Lisa Tucker Song Reader
 |
|
Songdeuten ist sowas wie Hand-lesen. Wenn man die richtigen Fragen stellt, akzeptiert der Kunde, was die Musik zu enthüllen versucht. Mit ihrem Roman »Song Reader« beschreibt Lisa Tucker, die einst in einer Jazzband sang und als Kellnerin, Putzfrau und Mathematik-lehrerin jobbte, eine familiäre Tragödie, die den Leser verstört zurück lässt. Am Ende muss er tief durchatmen. Aber das ist ja nicht das Schlechteste, was man über einen Roman sagen kann.
Lisa Tucker Song Reader (Goldmann)
|
4. Patrick Neate Twelve Bar Blues
 |
|
Der Jazz hatte bekanntlich viele Väter, deren Namen in jeder Chronik auftauchen. Eigentlich gehörte auch der Kornettist Lick Holden dazu, doch sein Name verlor sich, angeblich, im Dunkel der Geschichte, und wenn da nicht Patrick Neate gewesen wäre, ein in London, Sambia und Südafrika lebender DJ, Musikjournalist und Spoken-Word-Künstler, wäre er auch nie wieder aufgetaucht. In seinem Roman »Twelve Bar Blues« erzählt er Holdens ebenso leidenschaftliche wie leidvolle Geschichte, die zugleich die Geschichte des Jazz als solchem ist. Neate singt diesen Blues so einfühlsam, klagend und doch stets voller Hoffnung, dass einem der fiktive Holden schon bald realer vorkommt als Louis Armstrong, der von ihm zum Hot Jazz inspiriert wurde.
Patrick Neate Twelve Bar Blues (Rogner & Bernhard)
|
3. Craig Kee Strete Uns verbrennt die Nacht

|
|
Dieser »autobiografische Roman mit Jim Morrison« erschien erstmals 1983 in deutscher Sprache und erzielte zahlreiche Auflagen, wohl deshalb, weil der März-Verleger Jörg Schröder ihn als authentisch verkaufte. In den USA, wo Danny Sugarman dem indianischen Autor Craig Kee Strete gerichtlich untersagen ließ, mehrere Doors-Texte abzudrucken und als eigene auszugeben, verschwand die literarische Fiktion indes schnell in der Versenkung. Gleichwohl hat der Trip durch die dunkle Seite des Rock'n'Roll auch nach 20 Jahren nichts von seiner Eindringlichkeit verloren.
Craig Kee Strete Uns verbrennt die Nacht. Ein Roman mit Jim Morrison (März)
|
2. Alan Watt Die Musik der Wüste
 |
|
In Carmen, einem Städtchen vor den Toren von Las Vegas, überfährt der 17-jährige Neil Garvin im Suff einen Mitschüler. Sein Vater, der Sheriff, verwischt alle Spuren des nächtlichen Unfalls, doch sein Verhalten erinnert seinen Sohn nur umso mehr an seine Mutter, die ihn verlassen hatte, als er noch ein kleines Kind war. Zwei Welten prallen schließlich aufeinander und es kommt zum Showdown in der Wüste - Nirvana gegen Neil Diamond. »Die Musik der Wüste« ist der erste Roman von Alan Watt, einem ex-Theater-schauspieler aus Toronto, der von sich sagt: »Dreizehn Jahre lang habe ich Wörter aufgeschrieben. Ich habe geschrieben, bis es mir egal war, ob jemand je lesen würde, was ich schrieb. Und dann habe ich dieses Buch geschrieben.« Steinbeck und Salinger lassen grüßen.
Alan Watt Die Musik der Wüste (Lübbe)
|
1. Peter Hein Wegbeschreibungen

|
|
Was tun, wenn man auf Tour mit Family 5 oder den Fehlfarben in Bochum, Tuttlingen oder Magdeburg Zeit totschlagen muss, aber keine Lust hat, mit den anderen aus der Band abzu-hängen oder sich körperlich zu ertüchtigen? Peter Hein macht sich dann immer auf, entfernt sich von der Truppe und flaniert in der Gegend rum, immer auf der Suche nach einer Schänke, die schon auf hat, wo er seinen Hunger stillen und seinen Durst mit ein paar Bieren löschen kann, wenn »Unterhopfung« droht. Was ihm dabei auffiel und durch den Kopf ging, schrieb der stets pessimistische, aber sprachgewaltige Querkopf auf, und heraus kamen dabei »Wegbeschreibungen«, die mehr über das Leben und den Alltag in Deutschland aussagen, als so mancher schwergewichtige Roman oder Report. Wer nach dieser Lektüre immer noch Popstar werden will, dem ist jedenfalls nicht mehr zu helfen.
Peter Hein Wegbeschreibungen (Lilienfeld)
|
|
|
. |
|