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Mike Tyson — Unbestreitbare Wahrheit


Im zarten Alter von acht Jahren unternahm er seinen ersten Einbruch, mit zwölf boxte er auf der Straße auch gegen erwachsene Männer, seine Mutter hatte im selben Bett Sex mit ihrem Lover, in dem er schlief, er war der jüngste Weltmeister im Schwergewicht und schlug so manchen Gegner schon in der ersten Runde k.o., er ritt auf seinen Tigern durch den Swimming-Pool, saß wegen Vergewaltigung im Knast, wo er zum Islam konvertierte, wurde zum Opfer der Box-Mafia und biss in seiner Verzweiflung Evander Holyfield ins Ohr, verlor seine vierjährige Tochter, als die sich auf einem Laufband in einer Kabelschlinge verfing, brachte rumänische Mafiosi auf Koks und wurde von seinen Glaubensbrüdern heimlich nach Tschetschenien geschleust, war alkohol-, drogen- und sexsüchtig und wurde nach dem Verfassen seiner Memoiren wieder rückfällig, verprasste innerhalb weniger Jahre 100 Millionen Dollar und erlebte ein Comeback als Filmstar („Hangover”) und mit einem Solo-Programm, liest seiner Frau Liebesbriefe von Kleist und Napoleon vor — und nimmt in „Unbestreitbare Wahrheit” kaum ein Blatt vor den Mund.

Aufgeschrieben hat alles Larry Sloman, der „Ratso” aus Kinky Friedmans Krimis, und obwohl zahlreiche Passagen gekürzt werden mussten, umfasst Mike Tysons Autobiografie immer noch 672 Seiten und zahlreiche Fotos und liest sich so kurzweilig, wie es seine Kämpfe waren.

Den nicht mehr zu steigernden feuilletonistischen Ritterschlag erhielt „Unbestreitbare Wahrheit” von Joyce Carol Oates, die Mike Tysons Autobiografie für die New York Review of Books besprach.

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