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You're never too young to be a dirty old fan

40 Jahre Anarchy In The UK

Volker Wieprecht hat mich heute anlässlich des bevorstehenden 40. Jahrestags der Veröffentlichung der Sex-Pistols-Single „Anarchy In The UK” zum Thema Punk interviewt. Das recht kurze Gespräch wird am kommenden Donnerstag um 12.40 Uhr auf Radio Eins gesendet.

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3 Kommentare

  1. The Damned waren aber mit “New Rose” früher dran, 22.10. statt 26.11. ;-)

    • Es hat ja auch niemand was anderes behauptet. Natürlich wurden auch schon andere Singles vor „Anarchy In The UK” veröffentlicht … aber Fakt ist nun mal, dass die erste Sex-Pistols-Single 40 Jahre alt wird, und von nichts anderem war hier die Rede.

      • So, Joe Corré hat jetzt aus Protest gegen irgendwas seine Punkandenken, die er von Malcolm McLaren und Vivienne Westwood geerbt hat, verbrannt – obwohl. im Fernsehen sah das etwas mickrig dafür aus, dass es Millionenwerte gewesen sein sollen. Vielleicht waren es ja auch nur gut gemachte Fälschungen und hatte nicht Mr. Lydon selbst mal gesagt „Ever get the feeling you’ve been cheated“? Aber selbst wenn es Originale waren, schließlich kann ein Eigentümer mit seinen Sachen machen was er will – wollte nicht mal ein japanischer Geschäftsmann seinen Van Gogh mit ins Grab nehmen? – und zudem, helfen uns diese „Fetische“ wirklich besser, Punk zu verstehen, wenn wir statt ihrer Asche sie selbst im Museum sehen? Musikkultur im Museum, geht das überhaupt, wo Musik doch Zeit (Bewegung) darstellt, ein Museum aber nicht Zeit, sondern nur Raum (Statik) präsentieren kann? Überhaupt das „Verstehen“ – kann jemand, der die 1970er Jahre in Westdeutschland mit nur 3 Fernsehprogrammen, ohne Mobiltelefon und Internet, aber mit bleierner Zeit dank RAF, SPD-Regierung und Strauß nicht miterlebt hat, Punk verstehen? Und haben wir in Westdeutschland damals eigentlich den englischen Punk richtig verstanden? Wir haben von der dortigen Arbeitslosigkeit und dem Nordirland-Konflikt nur ein paar Fernsehbilder mitgekriegt, aber nicht das gesellschaftliche Klima erlebt. Haben wir nicht einfach nur die Emotionen, die wir aus den englischen Punk-Artefakten herausgelesen haben, bzw. die uns von der damaligen deutschen Presse – die auch nicht besser war als heute – ausgewählt und moralisch verurteilt vorgekaut wurden, auf unsere eigene emotionale Situation angewendet und unser ganz eigenes Ding gemacht, das zufällig auch Punk genannt wurde? Vielleicht waren Berlin und New York damals von der mentalen Stimmung her vergleichbar, aber Hamburg, Düsseldorf und Hannover mit London? Ich habe immer mehr meine Zweifel, ob wir aus unserer heutigen Perspektive heraus Geschichte – nicht nur Ägypten und Rom, Mittelalter und 3. Reich, sondern alles, was wir nicht als unmittelbare Zeitzeugen erlebt haben – richtig verstehen können. Ich habe damals in der 1970er Jahren immer mit den Augen gerollt, wenn meine Eltern bei irgendwelchen Fernsehspielen über die Nazi-Zeit sich beschwerten, dass die Farbe der Uniformen nicht stimmen würde, aber habe dann das gleiche Gefühl gehabt, wenn Spielfilme aus den 1990er Jahren Punk falsch darstellten – ich sage nur „Sommer von Sam“ von Spike Lee. Und genauso habe ich ein Problem damit, das Erscheinen von „Anarchy in the U.K.“ nach 40 Jahren als relevantes kulturelles Ereignis zu feiern und die einen Monat vorher erschienene Single der Damned zu übergehen. Hat die Sex Pistols-Single wirklich mit ihrem Erscheinen so viel Aufsehen erregt? War der Auftritt der Sex Pistols in der Bill Grundy-Show am 1. Dezember und seine Folgen nicht das viel wichtigere Ereignis, das Punk erst auf die kulturelle Landkarte gesetzt hat? Hätten Queen nicht ihren Auftritt in der Show abgesagt, was wäre dann aus den Sex Pistols und Punk geworden? Vielleicht nur eine weitere Spielart von Pubrock, der nie über die Grenzen Englands hinausgekommen wäre. Und die Ramones, die ja auch erst über den Umweg London so einflussreich wurden, wären eine weitere halbvergessene Blüte des New Yorker Untergrund geblieben. Aber ich verstehe ja, dass die Presse zum Zuspitzen gerne einzelne Ereignisse herauspickt ohne den Gesamtzusammenhang wahrnehmen zu wollen (das kostet viel zu viel Zeit und dann wird alles viel weniger eindeutig) und vielleicht hätte ich, wenn eine solche Frage an mich herangetragen worden wäre auch irgendwie mitgespielt, deshalb sollte mein Kommentar kein Vorwurf dir gegenüber sein, sonder vielmehr mein Unbehagen mit dieser Art von Journalismus ausdrücken.

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